Marktoberdorf/Seoul/Busan. Fünf Allgäuer Sportler stehen verloren am Flughafen in Zürich. Sie wissen nicht genau, was sie erwartet. Obwohl die Stimme von Heidi und die Kuhglocken die fünf Taekwondo-Kämpfer in der Bahn zum Terminal verabschieden, kommen sie sich verloren vor. Sie scheinen die einzigen Nicht-Asiaten auf dem Weg nach Seoul zu sein. Korean Air von Zürich nach Seoul – letzter Aufruf.
Die Idee zu der Reise entstand bei einer großen Jubiläumskampfsportgala in Marktoberdorf. Georg Streif (Marktoberdorf), Ex-Bundestrainer und Erfolgscoach, feierte 50 Jahre Taekwondo. Gemeinsam mit seinem Wettkampftrainer und Ex-Nationalkämpfer Oliver Knecht (Kaufbeuren) ließ er alte Kontakte nach Südkorea wieder aufleben. Ein koreanisches Team trat gegen bayerische Taekwondo-Sportler an. Die Begegnung wurde zum Erfolg – und brachte Knecht auf eine Idee: ein Gegenbesuch in Südkorea.
Ziel war es, die Partnerschaft der Taekwondo-Gemeinschaft Allgäu mit der Youngsan Universität wiederzubeleben und den Sportlern ein außergewöhnliches Trainingscamp zu ermöglichen. Da TGA-Ehrenmitglied Prof. Udo Mönig (Busan/Peißenberg) dort als Leiter der Taekwondo Abteilung fungiert, war für die Koordination alles gut vorbereitet.
Gleichzeitig sollten Kontakte zur Sophie-La-Roche-Realschule in Kaufbeuren entstehen. Knecht bietet dort in der 5. Klasse das Profilfach Taekwondo an. Auch ein Schüleraustausch oder regelmäßige Lehrgänge in Kaufbeuren stehen im Raum.
Die Boeing 787 landet nach elf Stunden und 30 Minuten pünktlich in Seoul. Das Smartphone wird schnell zum ständigen Begleiter und Übersetzer. Nach wenigen Tagen in der Metropole geht es weiter nach Busan. Dort wartet zunächst ein traumhafter Strand – doch lange hält die Verschnaufpause nicht.
Jetzt heißt es richtig schwitzen.
Pünktlich zum Trainingsbeginn um 15 Uhr treffen die Taekwondo Athleten an der Hochschule für Sport ein. Auspacken geht später, umziehen und ab in die Halle. Schon das 30-minütige Warmlaufen bringt die Sportler an ihre Grenzen. Trainer Oliver Knecht wusste, was seine Schützlinge erwartet, und hatte sie zu Hause entsprechend vorbereitet. Geglaubt hat es wohl niemand. „Manche Sachen muss man einfach fühlen, um sie zu glauben oder zu verstehen“, sagt Knecht.
Danach folgen lange, kräftezehrende Einheiten mit Schlagpolstern. Tritte zum Bauch und Kopf werden mit voller Geschwindigkeit simuliert. Zweimal am Tag Training: einmal konditionell, einmal technisch. Später wird aus Spielsparring ernstes Kämpfen. Treffer mit Faust und Fuß sind erlaubt. Trotz der Härte muss sich jeder auf seinen Partner verlassen können.
Die deutsche Gruppe besteht aus Trainer Oliver Knecht sowie Philipp Knecht, Joshua Mair (Betzigau), Sebastian Martin und Nicolas Knecht (Alle Kaufbeuren). Die jungen Sportler zwischen 17 und 23 Jahren sind im Bayernkader und Philipp im Nationalkader.